Eine Reise durch die Provence
Vor sieben Jahren saßen wir im Auto, irgendwo zwischen dem Elsass und der Provence und ich dachte: Hier möchte ich bleiben.
Diese Route hat mich nicht losgelassen. Die kleinen Dörfer, die üppigen Wochenmärkte, das Licht – dieses südfranzösiche Licht, das alles ein bisschen goldener macht. Die Franzosen nennen es lárt de vivre. Die Kunst zu leben. Ich glaube, ich habe verstanden was sie damit meinen.
Unsere Route führte uns von Berlin zunächst ins Elsass nach Colmar. Von dort weiter in die Provence nach Saint-Rémy. Dann durch die wilde Gorges du Verdon nach Castellane, über die Schweiz mit einem Stopp in Lausanne und schließlich über Straßburg und Bamberg zurück nach Berlin.
Zwei Wochen, ein Auto und mehr Baguette und Käse als ich zugeben möchte :).
Colmar

Unser erster Stopp, Colmar… was für ein Einstieg. Die Altstadt mit ihren bunten Fachwerkhäusern, den kleinen Gässchen und den Cafés direkt am Wasser ist wirklich so schön wie auf den Fotos. Nur schöner. Wir hatten leider nur eine Nacht – meine klare Empfehlung: Plant mindestens zwei ein. Ein Abend, um ein Glas Elsässer Wein zu genießen reicht einfach nicht.


Von dort ging es weiter Richtung Süden und mit jeder Stunde wurde die Landschaft mediterraner, das Licht goldener und die Luft wärmer. Saint-Rémy-de-Provence wurde unser Basislager für die nächsten Tage.
Unsere Unterkunft – wie aus einem französichen Film
Unsere Unterkunft war ein typisch französisches Landhaus mit einem wunderschönen, üppigen Garten. Als wir die Kiesauffahrt hinauffuhren und vor dem alten, mit Blauregen bewachsenen Haus standen und unsere Gastgeberin uns mit einem Glas Wein in Empfang nahm, wusste ich sofort: Genau so hatte ich mir das vorgestellt. Wie aus einem französischen Film.


Pont du Gard – ein Meisterwerk, das sprachlos macht
Der Pont du Gard hat mich sprachlos gemacht. Nicht weil ich viel über römische Aquädukte weiß, sondern weil man einfach dort steht und denkt: Wie haben Menschen das vor zweitausend Jahren gebaut?


Im April waren wir fast alleine hier. Kein Touristengedränge, kein Lärm – nur dieser unglaubliche Anblick.
Tipp: Picknick einpacken und das Gelände in Ruhe erkunden. Es gibt einen schönen Rundweg und viel Platz zum Sitzen. Für uns schöner als jedes Restaurant.
Wer im Sommer kommt sollte Badesachen einpacken. Direkt unter dem Aquädukt kann man im Fluss schwimmen. Im April war uns das noch etwas zu frisch, aber im Sommer muss das traumhaft sein.


Fontaine-de-Vaucluse – smaragdgrünes Wasser

Am Ende einer engen Schlucht, umgeben von schroffen Felsen, entspringt eine Quelle mit dem unglaublichsten smaragdgrünen Wasser, das ich je gesehen habe. Kein Filter, keine Bearbeitung. Die Farbe ist einfach so. Wir haben uns Zeit gelassen, sind am Fluss entlangspaziert und haben unser Picknick ausgepackt. Einer dieser Momente, in denen man still genießt.


Kloster Notre-Dame de Sénanque – Stille im Lavendeltal
Das Kloster Notre-Dame de Sénanque liegt etwas abseits in einem stillen Tal, umgeben von Lavendelfeldern.
Im Sommer kämpfen hier die Touristen um den perfekten Fotospot, wenn der Lavendel blüht. Im April waren wir alleine. Kein Gedränge, keine Selfie-Stangen – nur das Kloster, die Stille und der Blick über die noch schlafenden Lavendelfelder.
Mein Tipp: Wer den Ort wirklich erleben möchte, kommt im Frühjahr oder Herbst. Der Lavendel blüht zu dieser Zeit zwar nicht, aber dafür gehört euch der Ort fast alleine.


Gordes – ein Dorf, das man gesehen haben muss
Gordes ist eines dieser Dörfer, die man gesehen haben muss. Hoch oben auf einem Felsvorsprung gelegen hat man von hier einen Blick über die Provence, der einfach unvergesslich ist. Wir haben einen Kaffee auf einem der kleinen Plätze getrunken, sind durch die engen Gassen geschlendert und haben einfach geschaut. Manchmal braucht es nicht mehr als das.



Die Camargue – ein Landschaftsidyll in schwarz-weiß-rosarot
Die Camargue hat mich sofort verzaubert. Sumpf- und Seenlandschaften soweit das Auge reicht, riesige Salinen, deren wasser in einem unwirklich Lila-Rosa schimmert, weitläufige Sanddünen und dann plötzlich das Meer.
Was mich am meisten überrascht hat: Die schiere Größe. ich hatte keine Vorstellung davon, wie riesig und vielfältig diese Landschaft ist. Und irgendwo in der Landschaft standen sie plötzlich da….die weißen Camargue Pferde.
Nach so vielen schönen Städtchen und Dörfern, war dieser Tag in der Natur genau das, was ich brauchte. Keine Cafés, kein Gedränge – einfach nur Weite, Stille und diese unglaubliche Landschaft.
Mein Tipp: Plant mindestens einen vollen Tag ein. Die Camargue ist kein schneller Abstecher. Am Besten früh morgens anreisen, wenn das Licht auf den Salinen liegt und noch wenige Touristen unterwegs sind.



Die Salinen der Camargue




Roussillon und die Ockerbrüche – ein wilder Kontrast
Die ockerfarbenen Häuser des Dorfes leuchten in warmen Gelb- und Rottönen, aber das eigentliche Highlight liegt ein paar Gehminuten entfernt: Die Ockerbrüche.
Man läuft in den gebührenpflichtigen Rundweg ein und taucht plötzlich in eine völlig andere Welt ein. Tiefes Orange, leuchtendes Gelb, sattes Dunkelrot und dazwischen Pinien, die dem Ganzen etwas unwirkliches geben. Nach all den lieblichen Lavendelfeldern und sanften Hügeln der Provence ist das ein echter Kontrast – wilder, farbiger, dramatischer.
Mein Tipp: Nehmt euch Zeit für beides – schlendert durch Roussillon und durch die Ockerbrüche. Beides zusammen macht den Besuch besonders.





Bonnieux und Lourmarin – die Geiheimtipps der Franzosen
Bonnieux und Lourmarin hatten wir, ehrlich gesagt, nicht auf dem Plan. Es waren Franzosen, die uns sagten: Fahrt dorthin. Unbedingt. Und sie hatten Recht.
Bonnieux liegt hoch oben – die kurvenreiche Straße hinauf gibt schon einen Vorgeschmack af das, was kommt. Wer den steilen Aufstieg zur alten Kirche auf sich nimmt, wird belohnt: Ein Blick über den Luberon, der sich wirklich lohnt. Bonnieux hat seine Seele bewahrt. Authentisch, ruhig, echt provenzialisch und im Vergleich zu den bekannteren Dörfern deutlich weniger überlaufen.


Lourmarin hat denselben Charme, etwas lebhafter, mit kleinen Läden. Beide Dörfer zusammen sind ein perfekter Halbtagesausflug.
Mein Tipp: Fragt Einheimische nach ihren Empfehlungen. Die besten Orte stehen in keinem Reiseführer.







Aix-en-Provence und der Markt – ein absolutes Highlight
Nach so vielen kleinen Dörfern wirkte Aix schon fast wie eine Großstadt. Und das war eine willkommene Abwechslung
Das Wetter war sonnig und warm. Wir liefen den ganzen Tag durch die schöne Stadt mit ihren vielen kleinen Plätzen, schlenderten durch Geschäfte und genossen das lebhafte Treiben.

Aber das absolute Highlight war der Markt am nächsten Morgen. Ich hatte so viel positives gehört, daher wollte ich mir das nicht entgehen lassen. Es gab eine riesige Auswahl an Obst, Gemüse, Käse-, und Fleischspezialitäten, frisch gebackenes Brot, Oliven und Blumen. Alles unter alten Bäumen, umgeben von schönen Häusern und überall saßen Menschen in Cafés, tranken ihren Morgenkaffee und lasen Zeitung.
Mein Tipp: Plant einen Markttag in Aix unbedingt ein. Und wenn ich noch einmal komme, dann miete ich mir eine Wohnung, gehe auf den Markt und koche selbst.






Gorges du Verdon – die wildeste Landschaft der Provence
Von Aix-en-Provence ging es weiter nach Castellane, dem Tor zur Gorges du Verdon. Hier änderte sich alles. Keine lieblichen Lavendelfelder, keine sanften Hügel, stattdessen schroffe Felsen, wilde Schluchten und smaragdgrünes Wasser , das sich tief in den Stein gegraben hat.
Im April lag auf den Bergen noch Schnee und es war deutlich kühler als in der Provence. Warme Jacken und Regenkleidung sind unverzichtbar, da das Wetter hier schnell umschlagen kann.
Mein Tipp: Im Sommer ist die Gorges du Verdon ein Paradies für Wassersportler. Im April hatten wir die Schlucht fast für uns alleine. Hier beginnt die Hauptsaison ab Mai.


Was ihr außerdem einplanen könnt
Uzès lohnt sich vor allem, wenn Markttag ist. Ein nettes, kleines Dörfchen, das man gut mit einem anderen Ausflug verbinden kann

Les Baux-de-Provence liegt hoch oben auf einem Felsvorsprung und bietet einen beeindruckenden Blick über die Alpilles. Wer mittelalterliche Dörfer mag, wird begeistert sein.

Avignon ist sehenswert, aber anders als die kleinen Provence-Dörfer. Wer sich für Paläste und Geschichte interessiert kommt voll auf seine Kosten. Wer das typisch provenzialische Flair sucht, ist in den kleinen Dörfern besser aufgehoben.

Moustiers-Sainte-Marie hat eine spektakuläre Lage und ist weltberühmt für seine traditionelle Keramikkunst, die Fayence, die seit dem 17. Jahrhundert hier hergestellt wird. Das Dorf liegt eingebettet zwischen zwei Felswänden und wird durch einen kleinen Bach geteilt. Auf mich wirkte es eher einengend und düster, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Der Abschied und der Heimweg
Von Castellane hieß es Abschied nehmen von der Provence. Über Lausanne in der Schweiz – wunderschön gelegen, direkt am Genfer See mit Blick auf die Alpen, leider nur für eine Nacht – ging es weiter nach Straßburg. Eine Stadt, die uns so gut gefallen hat, dass wir uns sofort vorgenommen haben, wiederzukommen. Für einen längeren Aufenthalt mit mehr Zeit.
Bamberg war unsere letzte Station bevor es zurück nach Berlin ging.


Die Provence ist mehr als ein Urlaubsziel. Es ist ein Lebensgefühl. Es wirkt auf mich alles etwas entschleunigter, leichter und ruhiger. Dazu ist die Provence sehr abwechslungsreich, mit wunderschöner Landschaft, Kultur, Städten und lieblichen Dörfern. Wir werden wiederkommen. Das steht fest.
Eure Kristin
